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104. Hebelschoppen in Hertingen


 
Am Sonntag den 26.10  zog der traditionelle Hebelschoppen wieder viele Besucher an, die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. „Hebelvogt“ Karl Mannhardt eröffnete den Nachmittag, der seinen Höhepunkt in einem Festvortrag  von   Pfarrer i.R. Axel Huettner  fand, der über das Leben in Hertingen um 1780 berichtete.  Er erinnerte daran, dass das damalige Dorf mit ca. 65 Gebäuden zweifach ein literarischer Ort geworden ist.
So logierte auch der Schriftsteller und Goethefreund J.M.R. Lenz in Hertingen im ehemaligen Rathaus neben dem Bürgersaal, das von dem Arzt J.G.C. Zolikofer gebaut worden war. Laut Goethe war Lenz in Hertingen, ein aus fremder Erde „vorübergehender Meteor“, also ein durchaus geschätzter Dichter.
Zu gleicher Zeit wohnte im Pfarrhaus J. P. Hebel bei Pfarrer P. J. Schlotterbeck.
Axel Huettner hat aufwändig recherchiert, um die mannigfachen Beziehungen zwischen den Personen in Archiven erforschen. Auszüge aus dem geschichtlich für Hertingen relevanten Vortrag folgen in einer der nächsten Ausgaben des Amtsblatts.
Nach dem gemeinsamem „Vater Unser“ mit Pfarrer Michael Donner, zog die Gesellschaft um in den Bürgersaal.
Der Bürgersaal war ebenso bis auf den letzten Platz besetzt, bestuhlt und hergerichtet von der Chorgemeinschaft. Der Kuchen kam von den Frauen der Chorgemeinschaftsmänner und anderen Freiwilligen und war schnell vergriffen.
Zur Eröffnung des Teils im Bürgersaal trug Reinhard der Geugelin  alemannische  Verse  über das wiederaufgetauchte Hebelglöcklein  vor und reimte über  den neuen Aufbewahrungsort in einem von Herrn Röcker aus Schliengen gebauten „Chäschtle“ im Bürgersaal Hertingen.
 
Bürgermeister Dr. Hoffmann hielt ein Grußwort dass wir hier in Auszügen wiedergeben:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Ausrichter und Freunde des Hebelschoppens in Hertingen,
werte Gemeinderäte und Gäste aus dem Elsass und der Schweiz,
im Namen der Gemeinde Bad Bellingen begrüße ich Sie zum 104. Hebelschoppen in Hertingen.
Danke  an die, die Tradition aufrechterhalten und an die Jahre Hebels als  Hauslehrer und Vikar hier im Ortsteil Hertingen erinnern.
Danke an Herrn Mannhardt und Herrn Wolf  und die Chorgemeinschaft BB, die ev. Kirchengemeinde und viele andere helfenden Hände mehr, dass Sie seit Jahren hier die Veranstaltung ausrichten und mit den Hebelfreunden des Markgräflerlandes das Programm zusammenstellen.
Es tut uns leid, dass der Bürgersaal just jetzt eingerüstet ist (der Auftrag für ein neues Dach  war schon länger draußen und jetzt wird begonnen). Handwerker sind heute bei der Konjunktur gesucht und man muss sich nach deren Zeitplan richten, ich bitte um Verständnis. Auch das ehemalige Rathaus, also Wohnort vom Dichter Lenz, wurde in den letzten Jahren saniert mit neuen Fenstern Dach und Heizung. Gerne werden wir die Anregung von Herrn Huettner aufnehmen hinsichtlich einer Gedenktafel am ehemaligen Rathaus für den Dichter Lenz.
Den Hebelschoppen gibt es aus  Gedenken an den bedeutendsten alemannischen Dichter und Theologen. Dieser hat Werte und ein nachdenkliches Lebensgefühl den Menschen vermittelt in einer einzigartigen Weise.
Der Hebelschoppen ist zur überregional bedeutsamen Kulturveranstaltung geworden.
Das Wissen um Hebel und seine Werke sind heute noch den Menschen eine Hilfe im Leben. 
So fand ich auch diese Geschichte im Rheinischen Hausfreund von J. P. Hebel die ich gerne Ihnen vortragen möchte, Sie heißt
 
Schlechter Lohn.
Als im letzten preußischen Krieg der Franzos nach Berlin kam, in die Residenzstadt des Königs von Preußen, da wurde unter anderm viel königliches Eigentum weggenommen und fortgeführt oder verkauft. Denn der Krieg bringt nichts, er holt. Was noch so gut verborgen war wurde entdeckt und manches davon zur Beute gemacht, doch nicht alles. Ein großer Vorrat von königlichem Bauholz blieb lange unverraten und unversehrt. Doch kam zuletzt noch ein Spitzbube von des Königs eigenen Untertanen, dachte, da ist ein gutes Trinkgeld zu verdienen, und zeigte dem französischen Kommandanten mit schmunzlicher Miene und spitzbübischen Augen an, was für ein schönes Quantum von eichenen und tannenen Baustämmen noch da und da beisammen liege, woraus manch tausend Gulden zu lösen wäre. Aber der brave Kommandant gab schlechten Dank für die Verräterei, und sagte: „Lasst ihr die schönen Baustämme nur liegen wo sie sind. Man muss dem Feind nicht sein Notwendigstes nehmen. Denn wenn euer König wieder ins Land kommt, so braucht er Holz zu neuen Galgen für so ehrliche Untertanen, wie Ihr einer seid.“
Soll heißen: Verräterei lohnt nicht, sondern schlägt selbst auf den Verursacher zurück. Leider ist diese Weisheit noch nicht bei allen Zeitgenossen angekommen, die Geschichte ist immer noch aktuell in anderen Zusammenhängen.
Alemannisch sind auch  unsere Mundarttage in Bad Bellingen und im Jahr 2015 geht es weiter dank Frau Cornelia Ebinger-Zöld und ich lade Sie schon heute ein dazu.
Beim Hebelschoppen und auch bei den Mundarttagen sind die geistigen Nachfolger Hebels zu hören:  sinnige Gedichte und Lieder, Nachdenkliches und Humorvolles.
Die Gemeinde Bad Bellingen wird den Hebelschoppen auch weiterhin unterstützen.
Ich freue mich mit Ihnen auf den weiteren Verlauf, auf die offene Bühne mit Bewährtem und vielleicht auch Neuem  und wünsche der Veranstaltung weitere Erfolge.
 
„Nämme mer einer“ und Vergelts Gott.
 
Im Anschluss  wurden alemannische  Gedichte von Frau Christa Heimann und Paula Röttele vorgetragen, bevor verdiente Hebelschöppler geehrt wurden.
Dreimal wurde von den Hebelfreunden  das Schoppenglas mit Gravur verliehen, nämlich  an Karl Mannhardt,  Ehrenbürger Eberhard Stotz und dem abwesenden Adolf Kammüller.
 
Bild mit Bildunterschrift: Karl Mannhardt und Eberhard Stotz
 
 
 

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